Tradition

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Tradition

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Tra|di|ti|on [tradi'tsŐģiŐĮo:n], die; -, -en:
das, was im Hinblick auf Verhaltensweisen, Ideen, Kultur o. √Ą. in der Geschichte, von Generation zu Generation entwickelt und weitergegeben wird:
alte Traditionen pflegen; dieses Fest ist bereits [zur] Tradition geworden (es findet schon seit Längerem regelmäßig statt).
Syn.: ‚ÜĎ Brauch, ‚ÜĎ Brauchtum, ‚ÜĎ Gepflogenheit, ‚ÜĎ Sitte, ‚ÜĎ Usus.
Zus.: Bautradition, Familientradition, Kulturtradition.

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Tra|di|ti|on ‚Ć©f. 20‚Ć™ √úberlieferung, Herkommen, Gewohnheit, Brauch ‚óŹ eine \Tradition fortsetzen, bewahren; alte \Tradition; an der \Tradition festhalten; mit einer \Tradition brechen [<lat. traditio ‚Äě√úbergabe, Bericht‚Äú; ‚Üí tradieren]

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Tra|di|ti|on , die; -, -en [lat. traditio, zu: tradere, ‚ÜĎ tradieren]:
a) etw., was im Hinblick auf Verhaltensweisen, Ideen, Kultur o. √Ą. in der Geschichte, von Generation zu Generation [innerhalb einer bestimmten Gruppe] entwickelt u. weitergegeben wurde [u. weiterhin Bestand hat]:
eine alte, bäuerliche T.;
demokratische -en pflegen;
eine T. bewahren, hochhalten, fortsetzen;
an der T. festhalten;
mit der T. brechen;
die Strandrennen sind hier schon T. (feste Gewohnheit, Brauch) geworden;
b) (selten) das Tradieren:
die T. dieser Werte ist unsere Pflicht.

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Tradition
 
[lateinisch traditio ¬Ľ√úbergabe¬ę, ¬Ľ√úberlieferung¬ę, zu tradere, vergleiche tradieren] die, -/-en, die gesellschaftlich vermittelte, historisch √ľberkommene oder auch bewusst gew√§hlte √úbernahme und Weitergabe von Wissen, Lebenserfahrungen, Sitten, Br√§uchen, Konventionen und den sie tragenden Einrichtungen (Institutionen) und Medien. Als Bezeichnung f√ľr die F√§higkeit und das Medium zur √úbertragung beziehungsweise Speicherung von Informationen und Handlungs- beziehungsweise Verhaltensmustern benennt Tradition eine zentrale Dimension menschlicher Kultur und Selbstauslegung. Tradition stellt so eine zwar jeweils unter bestimmten Umst√§nden anders ausformbare, gleichwohl aber grundlegende und mit der Conditio humana untrennbar verbundene Kategorie menschlichen Handelns und Selbstdeutens dar, die zugleich die wichtigste Voraussetzung f√ľr den Menschen bildet, individuelle und kollektive Identit√§t, Kultur und kulturellen Wandel zu entwickeln und auf deren Grundlage menschliches √úberleben und Evolution zu sichern. Die Suche nach einem grundlegenden Erkl√§rungsmodell f√ľr Tradition reicht dabei von der Vorstellung, Empfang und Weitergabe einer g√∂ttlichen Offenbarung und die √ľber Generationen weitervermittelte Orientierung an einem sakralen Wissen bildeten den Kernbestand aller Traditionen (J. Pieper), bis zu der aus kulturanthropologischer Sicht formulierten Annahme, die Weitergabe bestimmter Erfahrungen √ľber giftige beziehungsweise essbare Pflanzen bilde in der Evolution des ¬ĽAllesfressers¬ę Mensch den Ansatzpunkt f√ľr Tradition und damit f√ľr Kultur √ľberhaupt (M. J. Casimir); die Verhaltensforschung beobachtet solche Ans√§tze von Traditionsbildung neben Ererbtem und vom Individuum selbst Erfahrenem auch im Tierreich (z. B. Vogeldialekte). Zwischen diesen beiden Polen liegen weitere sozialhistorische, philosophische, soziologische, ethnologische und religionshistorische Deutungsans√§tze, in denen Tradition jeweils als eine Form ¬Ľsozialen Ged√§chtnisses¬ę (A. Leroi-Gourhan) verstanden wird.
 
Tradition verweist auf die Notwendigkeit, Orientierungswissen von anderen zu √ľbernehmen, da niemand alles Wichtige von Anfang an selbst ermitteln und entwickeln kann; sie umfasst aber zugleich die Alternative, sich gegen√ľber jeder Tradition ablehnend oder annehmend verhalten zu k√∂nnen. Im Kern besteht Tradition damit auch in einem Paradoxon: Sie tritt mit dem Anspruch unver√§nderlicher Weitergabe und Ausf√ľhrung des als Traditionsbestand Festgelegten auf, und sie wirkt v. a. dadurch, dass sie jeweils in bestimmte Situationen √ľbernommen, d. h. auch an diese angepasst, ver√§ndert und neu verstanden werden muss, um als Tradition √ľberhaupt wirksam Orientierung bieten zu k√∂nnen; eine ¬Ľgenerelle Haltung hinsichtlich der √úberzeugungen, Institutionen und Praktiken einzunehmen, die uns von vorangegangenen Generationen √ľberliefert worden sind¬ę, erscheint dagegen unm√∂glich: ¬ĽDie Tradition ist, im Gegensatz zum Rad, eine neue Erfindung¬ę (Avishai Margalit).
 
Im engeren Gebrauch einzelner Fachgebiete wird der Begriff dagegen pr√§ziser, damit auch eingeschr√§nkter verwendet. So bezeichnet Tradition in der Geschichtswissenschaft als quellenkundlicher Begriff solche Zeugnisse, Gegenst√§nde oder Schriftst√ľcke, die im Gegensatz zum ¬Ľ√úberrest¬ę bereits im Hinblick auf eine beabsichtigte Weitergabe im Laufe der Zeit verfertigt wurden (J. G. Droysen, E. Bernheim), w√§hrend im Bereich der Volkskunde v. a. Br√§uche, Sitten oder altert√ľmliche Gegenst√§nde der alltagsbezogenen materiellen Kultur als Tradition angesprochen und in ihrer sozialen Bedeutung betrachtet werden. In literaturwissenschaftlicher und kulturhistorischer Sicht wird mit Tradition vornehmlich der Prozess der m√ľndlichen Weitergabe von Texten (Erz√§hlforschung, Oralliteratur) im Gegensatz zu schriftlich verfasster Literatur bezeichnet. Im kulturphilosophischen, kunst- und literaturhistorischen Gebrauch wird auch der Kanon der √ľberlieferten und normativ gesetzten Formen und Werke, der Anspr√ľche, Werte und √ľberkommenen Ma√üst√§be der Kritik als Tradition angesprochen, die f√ľr die weitere Entwicklung sowohl als Grundlage und Rahmen als auch als Widerpart und zu √ľberwindendes Hindernis gesehen werden kann.
 
 Der Traditionsbegriff in Religion und Theologie
 
In den Religionen bezeichnet Tradition alles √úberkommene innerhalb eines Glaubens-, Kult- und Sozialsystems, das eine Religion zu einer mit sich selbst identischen Gr√∂√üe macht. Eine besondere Bedeutung erh√§lt Tradition in Religionen mit einem kanonischen Schrifttum (heilige Schriften), zu dem sich erg√§nzend oder auch im Widerspruch eine m√ľndliche √úberlieferung entwickelt, die im Laufe der Zeit meist ebenfalls schriftlich fixiert wird und autoritative Bedeutung erlangen kann. Die Autorit√§t der Tradition wird meist legitimiert durch eine ununterbrochene Kette von ¬ĽZeugen¬ę, die bis auf den Religionsgr√ľnder oder die ersten Anh√§nger zur√ľckgef√ľhrt wird.
 
Im Christentum hat mit der zeitlichen Distanz zu seinem historischen Ursprung, dem Auftreten und der Lehre Jesu, die Herausbildung einer Tradition begonnen. Ma√ügeblich wurden das Zeugnis der Apostel und die √ľberlieferte Interpretation der Urkirche. Schon bei Paulus zeigen seine Mahnungen, sich am Wort Jesu zu orientieren (1. Korintherbrief 7, 10; 9, 14; 11, 23; 1. Thessalonicherbrief 4, 15 u. a.) und sich an die √úberlieferung zu halten (1. Korintherbrief 11, 2; Philipperbrief 4, 8 f.), die Tendenz, Streitigkeiten unter Hinweis auf Tradition und die ihr innewohnende Autorit√§t zu beseitigen. Das Lukasevangelium vertritt die Vorstellung einer Kette von Traditionsvermittlern, die, ausgehend von Jesus, √ľber die Augenzeugen die Authentizit√§t der Christusereignisse garantiert (Lukas 1, 1-4); die Distanz zu den Ereignissen l√§sst die Ersttradenten zu autoritativen Gr√∂√üen werden. Diese Konzeptionen wurden in den ersten Jahrhunderten auf die Kirche angewendet und weiterentwickelt. So wird die Kirche bei Iren√§us von Lyon zur Bewahrerin einer unverf√§lschten Tradition, deren Garant die Sukzession der Bisch√∂fe ist. Zur Zeit des Augustinus hatte sich der V√§terbeweis als Mittel, inhaltliche √úbereinstimmung mit der Tradition herzustellen, vollends als universelles Instrument theologischen Denkens etabliert (Kirchenv√§ter). Schlie√ülich stellte Vinzenz von L√©rins den Traditionsbegriff der Schrift gleichwertig an die Seite: Eine gute Tradition zeichne sich durch universelle Geltung, Alter und Konsens aus (das, ¬Ľwas √ľberall, zu jeder Zeit und von allen¬ę in der Kirche geglaubt wird) und sei f√ľr Gl√§ubige und Kirche gleicherma√üen bindend. Im Zuge der Reformation wurde die Auseinandersetzung um das Verh√§ltnis von Schrift und Tradition zu einem wesentlichen Thema der Kontroverstheologie. Gegen M. Luthers Prinzip der alleinigen Geltung der Schrift (lateinisch sola scriptura) formulierte das Konzil von Trient die Geltung von Schrift und Tradition, wie sie von Christus verk√ľndet oder, vermittelt durch den Heiligen Geist und die Apostel, von der Kirche bewahrt worden ist. Damit erschien die m√ľndliche Tradition (die inhaltlich allerdings nicht n√§her bestimmt wurde) als mit der Schrift formell gleichwertig. In der Folgezeit konnte sich in der katholischen Theologie mehr und mehr das Verst√§ndnis von Tradition als einer zweiten Quelle von Offenbarung durchsetzen. Verst√§rkt wurde dies durch das 1. Vatikanische Konzil, das mit der Definition der p√§pstlichen Unfehlbarkeit, die sich nicht aus der Schrift, sondern nur aus der Tradition begr√ľnden l√§sst, das Gewicht der Tradition weiter betonte. Im Gegensatz dazu n√§herte sich das 2. Vatikanische Konzil der protestantischen Position an, indem es die Bedeutung von Tradition als einer Art interpretativer Begleitung der Schrift hervorhob.
 
 Traditionsverständnis in der europäischen Kulturgeschichte
 
Dem Begriff der Tradition liegen in seiner urspr√ľnglichen, aus dem r√∂mischen Recht stammenden Bedeutung (traditio als √úbergabe einer beweglichen Sache, besonders in Verbindung mit einem Rechtsgesch√§ft wie Kauf oder Schenkung) drei Komponenten zugrunde: Etwas wird an jemanden von einem anderen √ľbergeben. Insoweit als Gebende, Nehmende und die jeweils √ľbergebene beziehungsweise empfangene Sache, Idee oder Person sich dabei stets in einem historisch, kulturell und gesellschaftlich konkreten Rahmen bewegen, wird einsichtig, dass es f√ľr Tradition nicht eine (einzig richtige) Begriffsbestimmung gibt, sondern dass deren Bedeutung auch von den jeweiligen Handlungsbereichen, Rahmenbedingungen, Handelnden und von dem zu √úbermittelnden selbst abh√§ngig ist.
 
War der europ√§ische Begriff von Tradition bis zur fr√ľhen Neuzeit weitgehend durch einen theologischen Bezug dominiert, so finden sich daneben seit dem 18. Jahrhundert verst√§rkt zum einen ein historischer, durch innerweltliche Gegebenheiten (Staatsvorstellungen, Institutionen, Gesetze, Regeln und Br√§uche) und entsprechende Ordnungsvorstellungen bestimmter Traditionsbegriff, dessen aktuelle Bedeutung noch in der Auseinandersetzung um den Stellenwert der Franz√∂sischen Revolution (E. Burke, A. de Tocqueville u. a.) zu fassen ist, und zum anderen ein spezifisch durch literarische, k√ľnstlerische und rhetorische Bez√ľge gepr√§gter kulturhistorischer Traditionsbegriff. Der Letztere dominiert im 20. Jahrhundert so, dass von einer ¬Ľinflation√§ren¬ę Verwendung dieses Begriffs in der Gegenwart (S. Wiedenhofer) gesprochen werden kann. Erst der Traditionsbruch, als dessen Ergebnis sich die modernen Gesellschaften seit der Franz√∂sischen und der industriellen Revolution verstehen, hat die zentrale soziale Bedeutung der Tradition zum Vorschein gebracht, ihre innerweltliche, kulturelle und anthropologische Dimension als Ordnungs- und Orientierungsmuster, das von Generation zu Generation weitergegeben, adaptiert und zugleich ver√§ndert wird. Im Lichte dieses modernen Traditionsverst√§ndnisses k√∂nnen dann auch die Entwicklungslinien der Tradition in der Vergangenheit verfolgt werden.
 
Im Begriff Tradition war von jeher der Aspekt der besonderen Wertsch√§tzung des √úberlieferten beziehungsweise des √úberlieferungsprozesses enthalten. Die Entwicklung des Traditionsbegriffs im Christentum zu einer zentralen theologischen Kategorie f√ľhrte schon in der Sp√§tantike einerseits zu einer normativen Ausweitung und Aufwertung des Traditionsbezugs, andererseits zu einer faktischen (Selbst-)Begrenzung der existierenden oder postulierten Tradition durch das Auftreten konkurrierender Traditionsanspr√ľche. Diese Entwicklung erfuhr im Mittelalter eine weitere Problematisierung, da Tradition nun in Gegensatz zu Vernunft (lateinisch ratio) gesetzt wurde. Tradition wurde dabei als direkte, im Zusammenhang der Kirche auch institutionalisierte √úbermittlung g√∂ttlicher Offenbarung verstanden, w√§hrend der (individuellen) Vernunft zun√§chst nur eine Hilfsfunktion zugeschrieben wurde. In dem Ma√üe, wie in der weiteren geschichtlichen Entwicklung (Renaissance, Reformation, Aufkl√§rung) der innerweltlichen Perspektive vern√ľnftigen Denkens zunehmende Bedeutung beigemessen wurde, f√ľhrte die Opposition von Tradition und Vernunft zu einer gro√üen Spannweite kontroverser Sichtweisen, da nunmehr je nach Standpunkt einmal das Individuum gegen√ľber der Macht der Tradition abgewertet werden (z. B. im politischen Konservativismus) oder aber als Richter und Kritiker der vorhandenen Tradition auftreten konnte (z. B. in der Perspektive aufkl√§rerischer Kritik). W√§hrend sich die Zeitgenossen namentlich im Zusammenhang der Aufkl√§rung und der b√ľrgerlichen Emanzipation als traditionslos, also als an der Spitze fortschrittlicher Bewegung stehend verstanden, handelt es sich bei allen genannten kulturellen Umbr√ľchen um Prozesse, in denen bestimmte Traditionen abgel√∂st, zugleich aber andere Traditionen aufgenommen wurden. Dies gilt f√ľr die Bezugnahme der Renaissance auf die heidnisch-antike Tradition ebenso wie f√ľr die R√ľckbesinnung der reformatorischen Religiosit√§t auf die in der Heiligen Schrift enthaltene Offenbarung. Auch die charakteristische Neuerung im Traditionsverst√§ndnis der Aufkl√§rung besteht damit nicht in einer Absage an jede Tradition, sondern in der Ausbildung eines Wissens um die begrenzte G√ľltigkeit und die Wandelbarkeit von Traditionen. So unterschied bereits 1647 B. Pascal historische, auf Traditionswissen ausgerichtete von anderen, auf naturwissenschaftliche Erfahrungswissen aufbauenden Wissensformen.
 
Im 18. Jahrhundert wurde Tradition nicht zuletzt dadurch zu einem zentralen Thema der b√ľrgerlichen Emanzipationsbewegung, dass diese erstmals die Emanzipation der eigenen Gruppe (des B√ľrgertums) als Emanzipation aller Menschen vertrat und so den Traditionsbegriff zum Rahmen anthropologischer und sozialwissenschaftlicher √úberlegungen machte. Die Stellungnahmen zur Tradition bewegten sich dabei zwischen der Kritik und Ablehnung von Traditionen als Hindernissen auf dem Weg der Menschen zu sich selbst (und zum Selbstdenken), z. B. bei J. Locke, und einer anthropologisch-kulturkritischen, aber auch historisch fundierten Position, die im Verlust der Tradition eine zentrale Ursache f√ľr die Unruhe der Zeit und namentlich f√ľr die Franz√∂sische Revolution ausmachte (Burke, L. G. A. de Bonald, J. M. de Maistre).
 
Als Ergebnis der durch die Aufkl√§rer bef√∂rderten, von den Romantikern und konservativen Denkern nach der Wende zum 19. Jahrhundert zur√ľckgewiesenen Kritik der Tradition kommt eine Ambivalenz im Verst√§ndnis einer nun innerweltlich und historisch aufgefassten Tradition zum Vorschein, die sich bereits in J. G. Herders Betrachtung der Tradition als einer der zentral wirksamen Kr√§fte der Geschichte findet. Demnach ist die Ausbildung von Traditionen einerseits eine entscheidende Bedingung der menschlichen Entwicklung, zum anderen stellt sie in einem so bedeutenden Ma√üe Festlegung, Fessel und Schicksal des Menschen dar, dass Herder von ihr als ¬ĽOpium des Geistes¬ę sprach. W√§hrend sich in der romantischen Entwicklung - zum ersten Mal wurden mit historisierendem Blick auch Gegenst√§nde, Br√§uche und Lieder der Volkskultur im Sinne von Tradition gesammelt und bewahrt - der Zug zur Wertsch√§tzung der Tradition angesichts eines tief greifenden Umbruchs der sozialen, politischen, kulturellen und √∂konomischen Strukturen und Ordnungsmuster (industrielle Revolution, sozialer Wandel und damit verbundene Mobilit√§tserfahrungen) vertiefte, wurde Tradition im Bewusstsein auch breiterer Schichten zunehmend zu einem Begriff f√ľr R√ľckst√§ndiges, zu √úberwindendes. Diese Haltung trat in der 2. H√§lfte des 19. Jahrhunderts durch die Erfolge naturwissenschaftlichen und technischen Forschens und ein darauf aufbauendes Fortschrittsbewusstsein verst√§rkt hervor; Modernit√§t als Gegenbegriff zu Tradition wurde zum Schlagwort der Zeit.
 
Dagegen blieb in den gro√üen Geschichts- und Gesellschaftstheorien des 19. Jahrhunderts (G. W. F. Hegel, A. Comte, K. Marx, aber auch Tocqueville, L. von Stein) das Wissen um Ambivalenz und Zwiesp√§ltigkeit des Traditionsverst√§ndnisses lebendig. Wurde Tradition hierbei zun√§chst in die welthistorische Abfolge der Objektivationen menschlichen Geistes beziehungsweise in den fortschreitenden Gang der Gesellschafts- und Weltgeschichte eingebunden, so wurde sie in der Folge auch als Problem der Ideologie und Weltanschauung gesehen. Tradition konnte nunmehr, mit negativer Konnotation, in so unterschiedlichen Blickrichtungen wie denjenigen von Marx und F. Nietzsche als Ausdruck verfestigter Gruppeninteressen, als Scheinl√∂sung und stabilisierende L√ľge in Erscheinung treten. Sie wurde damit nicht nur als Ideensystem und Ideologie, sondern durchaus im Geiste der Religionskritik auch als Manipulationsinstrument und als durch Manipulation herstellbares Orientierungsmuster begriffen.
 
Im Zusammenhang einer im Anschluss an K. Mannheim als Grundzug der Neuzeit verstandenen ¬ĽFundamentalpolitisierung¬ę (C. Graf von Krockow) wurde im Laufe des 19. und in den Massenmobilisierungsbewegungen der 1. H√§lfte des 20. Jahrhunderts (Nationalismus, Militarismus, Imperialismus, Faschismus, Stalinismus), aber auch in den Leitvorstellungen b√ľrgerlicher Parteien und Republiken erkennbar, dass nahezu alle politischen Str√∂mungen und Interessengruppen dazu neigen, eigene Traditionen zu ¬Ľerfinden¬ę (E. Hobsbawm) beziehungsweise zu besetzen, um aktuelle Anspr√ľche historisch zu untermauern und das Verhalten ihrer Anh√§nger zu beeinflussen. - W√§hrend diese Str√∂mungen sich als Fortschreibungen bestehender Tendenzen und Traditionen verstehen, findet sich daneben auch die Position einer bewussten Bezugnahme auf die zentralen Bindungs- und Leitfunktionen einer als unver√§nderlich angesehenen ¬Ľalteurop√§ischen¬ę Tradition (Traditionalismus), die sich im 19. Jahrhundert zun√§chst in Frankreich in Abwehr der sozialen Ver√§nderungen und S√§kularisierungsbestrebungen formiert hatte.
 
 Die Bedeutung von Tradition in der Gegenwart
 
Die Diskussion um das Verh√§ltnis zur Tradition wird von drei unterschiedlichen Zugangsweisen zu Traditionen bestimmt, die aufeinander bezogen geeignet scheinen, sowohl den Stellenwert von Traditionen in der Gegenwart zu zeigen als auch die mit Traditionen verbundenen Anspr√ľche und Erwartungen zu relativieren:
 
1) Die modernen Industriegesellschaften sind von dem Selbstverst√§ndnis gepr√§gt, ¬Ľfortschreitende¬ę beziehungsweise ¬Ľim Fortschritt begriffene¬ę Gesellschaften zu sein, in denen ¬Ľ√§ltere Traditionsbest√§nde¬ę (Hannah Arendt) aufgezehrt werden und durch rationale Vorgehensweisen und neue Orientierungsmuster abgel√∂st werden sollen (T. Parsons, D. Lerner). Dies bestimmte auch das - inzwischen weitgehend infrage gestellte - Selbstverst√§ndnis der Industriegesellschaften gegen√ľber der eigenen Geschichte und nicht zuletzt gegen√ľber den ¬Ľtraditionalen¬ę Gesellschaften Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Diese werden als in Traditionen statisch verharrende, zumindest in ihren Leitvorstellungen weitgehend durch Traditionen bestimmte Gesellschaften aufgefasst, w√§hrend die ¬Ľmodernen¬ę Gesellschaften entweder f√§lschlich als traditionslos bezeichnet werden oder aber durch h√§ufigen Wechsel und ¬ĽVerbrauch¬ę von Traditionen gekennzeichnet erscheinen konnten.
 
2) Zur Alltagserfahrung auch in den fortgeschrittenen Industriegesellschaften geh√∂rt, dass Menschen, zumal in Umbruchs- oder Belastungssituationen, versuchen, sich an herk√∂mmlichen Verl√§sslichkeiten zu orientieren, oder dort, wo diese nicht zur Verf√ľgung stehen, auf bereitgestellte ¬ĽErfindungen¬ę von Verl√§sslichkeit, auf Geschichtsmythen, Legenden, gegebenenfalls auch auf L√ľgen und Vorurteile zur√ľckgreifen, um entsprechende Stabilit√§t, aber auch Legitimit√§t f√ľr ihre Ziele zu finden. Dies gilt in einem durchaus prek√§ren und zweischneidigen Sinn auch f√ľr Traditionen. So finden sich ¬Ľneue¬ę Traditionen zun√§chst einmal dort, wo versucht wird, angesichts in der allt√§glichen Lebenswelt erfahrener Unsicherheiten durch den R√ľckgriff auf Traditionen eine Art zuverl√§ssige historische Vertrautheit zu schaffen (z. B. Traditions- und Trachtenvereine, Volksfeste). In dem Ma√üe allerdings, in dem sie dann als Unterhaltung und Konsumprodukt Verwendung finden (z. B. ¬ĽVolksliedhitparade¬ę, touristische Attraktionen), zeigen sie sich als Resultate der in der Moderne erzeugten beziehungsweise verst√§rkten Bed√ľrfnisse nach √ľberkommenen Orientierungsmustern, nach Regression auf vermeintlich fr√ľher herrschende N√§he und √úberschaubarkeit. Politische und soziale Gruppierungen (z. B. B√ľrgerinitiativen, regionale Autonomiebewegungen, √∂kologische Gruppen) beziehen sich zur Ausformulierung ihres Selbstverst√§ndnisses ebenfalls auf bestehende oder vorgestellte Traditionen. Auch gro√üe politische Machtgruppen finden in Traditionen ein reiches Repertoire an Vorstellungen und Handlungsmustern, die es ihnen erm√∂glichen, politische Bet√§tigung und soziale Bewegung zu mobilisieren beziehungsweise zu pr√§gen. Dies ist bei Parteien unterschiedlicher politischer Ausrichtung in den liberalen Demokratien des Westens ebenso wie in den Mobilisierungsbestrebungen neuer Nationalismen (etwa in Ost- und S√ľdosteuropa), in antimodernen und totalit√§ren politischen und religi√∂sen Str√∂mungen von der Art des Faschismus oder unterschiedlich radikaler Fundamentalismen zu beobachten.
 
Auch in einer kritisch-reflexiven Ausrichtung finden sich Traditionsbildungen, z. B. die des intellektuellen Engagements mit Bezug auf √Č. Zola und J.-P. Sartre, der kritischen Gesellschaftstheorie oder einer materialistisch orientierten Geschichtsphilosophie (E. Bloch, W. Benjamin) beziehungsweise des R√ľckgriffs auf kommunale Orientierungen der vorindustriellen Gesellschaft (Kommunitarismus) und bestimmte religi√∂se Vorstellungen (¬ĽKirche der Armen¬ę). F√ľr die deutsche politische Kultur mag in diesem Zusammenhang nicht unerheblich sein, dass die Ver√§nderungen und Ereignisse im Bereich der politischen Geschichte - das Ende des Kaiserreichs 1918, aber auch der Mord an den Juden in der Zeit des Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg, die deutsche Teilung nach 1945 - immer auch als Traditionsbr√ľche in Erscheinung getreten sind. Um Fortdauer und Bruch der historischen und politischen Traditionen in Deutschland haben sich heftige Kontroversen (u. a. der Historikerstreit) entwickelt, wobei gerade im Hinblick auf die nach 1989 eingetretenen Ver√§nderungen sowohl die fortdauernde Bedeutung von Traditionsvorstellungen als auch die Versuche, Traditionen immer neu zu bestimmen beziehungsweise zu schaffen, hervortreten (z. B. in der ¬ĽHauptstadtfrage¬ę, im Streit um ein ¬Ľnationales¬ę Holocaustdenkmal). Das Spektrum des Gebrauchs und Verbrauchs von Traditionen belegt damit nicht nur ein in gewissem Sinne anthropologisch und sozial fundiertes Bed√ľrfnis nach Traditionsleitung und Traditionsorientierung, sondern zugleich die M√∂glichkeit und Notwendigkeit, den Umgang mit Traditionen zu pluralisieren und ihre Inhalte in einen historischen Kontext zu stellen. In der Folge kann sich hieraus ein f√ľr den zeitgen√∂ssischen Bewusstseinsstand charakteristischer ¬Ľreflexiver Traditionsbegriff¬ę (Wiedenhofer) bestimmen.
 
3) Hierauf geht die wissenschaftliche, im 20. Jahrhundert v. a. historisch und soziologisch ausgerichtete Forschung ein. Schon M. Weber nutzte den Begriff Tradition zur Bildung sozialwissenschaftlicher Kategorien (¬Ľtraditionale Herrschaft¬ę), die Tradition sowohl in einer beschreibenden als auch in einer analytischen und erkl√§renden Dimension darstellen sollten. In dieser Weise hat der Begriff Eingang in die sozialwissenschaftliche Diskussion des sozialen Wandels (etwa in D. Riesmans Begriff der ¬ĽTraditionsleitung¬ę) und in die Modernisierungstheorie (Lerner, S. N. Eisenstadt) gefunden. Einem solchen zumeist fachspezifisch eingeschr√§nkten Gebrauch des Traditionsbegriffs steht eine breite undeutlich bestimmte Begriffsverwendung im Bereich √∂ffentlicher, z. B. politischer Diskussionen gegen√ľber, in deren Rahmen Tradition im ¬Ľinteressegeleiteten¬ę Sinn als Schlagwort und Mobilisierungsmotiv genutzt wird. Wie stark der Begriff Tradition noch immer als Wertbegriff fungiert, zeigt sich auch in Massenmedien und Werbung (z. B. bei Produkten der Naturheilkunde, in der Ratgeberliteratur, in Kochb√ľchern oder bei touristischen Angeboten).
 
So scheint die zeitgen√∂ssische Auffassung der Tradition in der Moderne nicht dadurch bestimmt, dass sie die G√ľltigkeit von Traditionen ablehnt, sie geht vielmehr von der jeweils nur eingeschr√§nkten Geltung bestimmter (im Einzelfall m√∂glicherweise zuf√§lliger oder willk√ľrlich ¬Ľgemachter¬ę) Traditionen aus. W√§hrend nun eine postmoderne Blickrichtung die grunds√§tzliche Verf√ľgbarkeit (und Erfindbarkeit) aller m√∂glichen Traditionen behauptet, stellt sich Tradition f√ľr eine historisch-soziologische Betrachtung als eine Vielzahl einzelner √úberlieferungsstr√§nge dar, deren Aufkommen, Dauer, Verbindlichkeit und Geltung zwar nicht mehr historisch oder metaphysisch begr√ľndbar und notwendig erscheinen, deren jeweilige Gestalt aber auf reale historische, anthropologische und soziale Erfahrungen und Gruppeninteressen verweist. In deren Zusammenhang erf√ľllt Tradition dann ebenso eine bestimmte Funktion (z. B. der Orientierung), wie sie im Rahmen der gegenw√§rtigen Individualisierungs- und Pluralisierungstendenzen eine Grenze erf√§hrt.
 
Die gegenw√§rtige Diskussion um die Rolle und den Stellenwert von Traditionen wird von sehr unterschiedlichen Entwicklungen bestimmt, die einen gemeinsamen Ausgangspunkt darin haben, dass sie die Orientierung an Traditionen ebenso wie die Formen und das Bestehen von Traditionen und deren Bindekraft als abh√§ngig von den jeweiligen Anspr√ľchen der Gegenwart sehen. Tradition wird also weniger als Erbe der Vergangenheit gesehen, sondern vielmehr als aktive Definitionsleistung der Gegenwart; diese braucht allerdings die Berufung auf Tradition auch zur Legitimierung und zum Verst√§ndnis der eigenen Position. Eine solche Bestimmung der Tradition aus der Perspektive der Gegenwart bedeutet eine Umkehrung des fr√ľher g√ľltigen Traditionsverst√§ndnisses. Der damit in den Blick tretende ¬Ľepistemologische¬ę (d. h. begriffsgeschichtliche und erkenntnistheoretische) Bruch ist seinerseits Ergebnis unterschiedlicher kulturgeschichtlicher, sozialer und philosophisch-psychologischer Ver√§nderungen. Dies dr√ľckt sich zun√§chst einmal in der bereits seit Nietzsche die Kulturkritik und Wissenschaftstheorie durchziehenden Erkenntnis von der Geschichtlichkeit und Relativit√§t √ľberkommener Weltentw√ľrfe aus, die im 20. Jahrhundert durch die Erfahrung rapiden sozialen Wandels und durch die Individualisierung von Lebensvorstellungen und Verantwortungskonzepten ebenso verst√§rkt wurde wie durch die Aufl√∂sung traditioneller Bindungsformen (Religionen, Nationen, Regionen, Familien) und eine damit einhergehende Pluralisierung von Sinnmustern und Wertvorstellungen. Zugleich aber liegen nach wie vor nicht nur starke und attraktive Traditionsbest√§nde vor; auch die Bereitschaft zur Orientierung an ihnen und zur Anerkennung entsprechender Bed√ľrfnisse nach Traditionen sind gerade im Zusammenhang der oben genannten Aufl√∂sungs- beziehungsweise Umstrukturierungserscheinungen erneut gewachsen, wie etwa das am Ende des 20. Jahrhunderts wieder hervortretende Interesse an Orientierungsmustern wie Nation, Geschichte, Kultur oder Religion belegt. Auf dem Feld der Politik bewirkt die Erkenntnis von der Attraktivit√§t ebenso wie von der Machbarkeit der Tradition vielerlei Konkurrenzen um die Besetzung von Tradition; diese Tendenz wird noch einmal verst√§rkt durch nachhaltige Zweifel an umfassenden Zukunftsentw√ľrfen und an einem generellen Fortschrittsmodell. In dem Ma√üe, wie sich zudem, auch aus der Sicht der Individuen, Lebensstile, Selbstbilder, aber auch gew√§hlte Zuordnungen und Zugeh√∂rigkeiten als Versatzst√ľcke einer selbst zu erstellenden Identit√§t auffassen lassen (¬Ľpatchwork identity¬ę), erscheinen Traditionen schlie√ülich auch als mehr oder weniger frei verf√ľgbare Muster, auf die im Rahmen von ¬ĽIdentit√§tspolitik¬ę und ¬ĽIdentit√§tsmanagement¬ę zugegriffen werden kann.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Aufklärung · Autorität · Fortschritt · Fundamentalismus · Geschichtsbewusstsein · Gesellschaftskritik · Heimat · Ideologie · Konservativismus · Moderne · Nostalgie · Säkularisierung · sozialer Wandel · Utopie · Wertewandel
 
 
H. Arendt: Fragw√ľrdige T.-Best√§nde im polit. Denken der Gegenwart (a. d. Engl., 1957);
 J. Pieper: Über den Begriff der T. (1958);
 Y. M. S. Congar: Die T. u. die Traditionen, Bd. 1 (a. d. Frz., 1965);
 R. Bendix: T. and modernity reconsidered, in: Comparative studies in society and history, Bd. 9 (Cambridge 1967);
¬†H. Bausinger: Kritik der T., in: Ztschr. f√ľr Volkskunde, Jg. 65 (1969); C. J. Friedrich: T. u. Autorit√§t (a. d. Amerikan., 1974);
 T. W. Adorno: Über T., in: T. W. Adorno: Ges. Schriften, Bd. 10, Tl. 1 (1977);
 S. N. Eisenstadt: T., Wandel u. Modernität (a. d. Engl., 1979);
 E. Shils: T. (Chicago, Ill., 1981);
 
Kultur u. T., hg. v. K. M√°cha (1983);
 
Die Moderne - Kontinuitäten u. Zäsuren, hg. v. J. Berger (1986);
¬†H. Reimann: Die Vitalit√§t ¬Ľautochthoner¬ę Kulturmuster. Zum Verh√§ltnis von Traditionalit√§t u. Moderne, in: K√∂lner Ztschr. f√ľr Soziologie u. Sozialpsychologie, Sonderh. 27 (1986);
 S. Wiedenhofer: T., Traditionalismus, in: Geschichtl. Grundbegriffe, hg. v. O. Brunner u. a., Bd. 6 (1990, Nachdr. 1997);
 
The invention of tradition, hg. v. E. Hobsbawm u. a. (Neuausg. Cambridge 1992);
 K. Schori: Das Problem der T. Eine fundamentaltheolog. Unters. (1992);
 H. Klages: T.-Bruch als Herausforderung (1993);
 Z. Bauman: Moderne u. Ambivalenz. Das Ende der Eindeutigkeit (a. d. Engl., Neuausg. 1995);
 
Allt√§gl. Lebensf√ľhrung. Arrangements zw. Traditionalit√§t u. Modernisierung, hg. v. W. Kudera u. S. Dietmaier (1995);
 A. Leroi-Gourhan: Hand u. Wort. Die Evolution von Technik, Sprache u. Kunst (a. d. Frz., 21995);
 A. Giddens: Konsequenzen der Moderne (a. d. Engl., 21997).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Mensch: Auf der Suche nach den Urspr√ľngen des typisch Menschlichen
 

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Tra|di|ti|on, die; -, -en [lat. traditio, zu: tradere, ‚ÜĎtradieren]: 1. a) etwas, was im Hinblick auf Verhaltensweisen, Ideen, Kultur o. √Ą. in der Geschichte, von Generation zu Generation [innerhalb einer bestimmten Gruppe] entwickelt u. weitergegeben wurde [u. weiterhin Bestand hat]: eine alte, b√§uerliche T.; Eine andere T. (ein anderer Brauch), die dahinging und der ich nachtrauerte, war das winterliche Eismachen (D√∂nhoff, Ostpreu√üen 97); der Wunsch, der Weihnachtsbasar m√∂ge ... T. (zur festen Einrichtung) werden (Saarbr. Zeitung 19. 12. 79, 24); demokratische -en pflegen; eine T. bewahren, hochhalten, fortsetzen; das Land hat eine gro√üe musikalische T.; Er geh√∂rte zu der Hand voll Gemeindemitglieder, die noch in der alten T. erzogen war und die Liturgie kannte (Kemelman [√úbers.], Dienstag 88); Das Duftwesen hatte alte T. in Montpellier (S√ľskind, Parfum 189); Diese j√§hrlichen Begegnungen haben nun schon T. (geh√∂ren zum festen Bestand; Augsburger Allgemeine 3./4. 6. 78, I); Im Hotel- und Gastst√§ttengewerbe haben die Minipacks bereits T. (natur 10, 1991, 74); an der T. festhalten; mit der T. brechen; Mit diesen Worten stellte Mayer sich in die T. der stalinistischen Intellektuellenverfolgungen (Fest, Im Gegenlicht 303); Mein Mann und ich, selbstverst√§ndlich, f√ľr uns gab es da nichts, sind aus T. (weil es so √ľblich ist), aus guter Sitte und Anstand zur Beerdigung gegangen (Kronauer, Bogensch√ľtze 283); b) (selten) das Tradieren: die T. dieser Werte ist unsere Pflicht. 2. au√üerbiblische, von der katholischen Kirche als verbindlich anerkannte √úberlieferung von Glaubenslehren seit der Apostelzeit.

Universal-Lexikon. 2012.

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  • TRADITION ‚ÄĒ Le mot ¬ętradition¬Ľ (en latin traditio , ¬ęacte de transmettre¬Ľ) vient du verbe tradere , ¬ęfaire passer √† un autre, livrer, remettre¬Ľ. Littr√© en a distingu√© quatre sens principaux: ¬ęAction par laquelle on livre quelque chose √† quelqu‚Äôun¬Ľ;… ‚Ķ   Encyclop√©die Universelle

  • TRADITION ‚ÄĒ (Heb. ◊ě÷ł◊°÷Ļ◊®÷∂◊™). The term tradition derives from the Latin tradere, which means to transmit or to give over. Generally, it refers to beliefs, doctrines, customs, ethical and moral standards, and cultural values and attitudes which are transmitted… ‚Ķ   Encyclopedia of Judaism

  • tradition ‚ÄĒ TRADITION. s. f. Action par laquelle on livre une chose √† une personne. La vente se consomme par la tradition de la chose vendu√ę. l investiture d un fief se faisoit par la tradition d un estendard, la vente d une terre par la tradition d une… ‚Ķ   Dictionnaire de l'Acad√©mie fran√ßaise

  • Tradition ‚ÄĒ Tra*di tion, n. [OE. tradicioun, L. traditio, from tradere to give up, transmit. See {Treason}, {Traitor}.] 1. The act of delivering into the hands of another; delivery. A deed takes effect only from the tradition or delivery. Blackstone. [1913… ‚Ķ   The Collaborative International Dictionary of English

  • Tradition ‚ÄĒ Sf std. (16. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus l. trńĀditio ( Ňćnis), zu l. trńĀdere (trńĀditum) √ľbergeben, √ľberreichen , zu l. dare geben und l. trńĀns . Adjektiv: traditionell; das Grundverb in tradieren. ¬†¬†¬†Ebenso nndl. traditie, ne. tradition, nfrz.… ‚Ķ   Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen sprache

  • tradition ‚ÄĒ tra¬∑di¬∑tion n [French, legal transfer] in the civil law of Louisiana: transfer or acquisition of property esp. by delivery with intent of both parties to transfer the title delivery of the act of transfer or use of the right by the owner of the… ‚Ķ   Law dictionary

  • Tradition ‚ÄĒ [Wichtig (Rating 3200 5600)] Bsp.: ‚ÄĘ Seit 25 Jahren Tradition. ‚ÄĘ Das ist eine amerikanische Tradition ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • tradition ‚ÄĒ [tr…ô dish‚Ä≤…ôn] n. [ME tradycion < MFr tradicion < L traditio, a surrender, delivery, tradition < traditus, pp. of tradere, to deliver: see TREASON] 1. Obs. a surrender or betrayal 2. a) the handing down orally of stories, beliefs, customs ‚Ķ   English World dictionary

  • Tradition ‚ÄĒ Tra*di tion, v. t. To transmit by way of tradition; to hand down. [Obs.] [1913 Webster] The following story is . . . traditioned with very much credit amongst our English Catholics. Fuller. [1913 Webster] ‚Ķ   The Collaborative International Dictionary of English

  • tradition ‚ÄĒ tradition, traditions A set of social practices which seek to celebrate and inculcate certain behavioural norms and values , implying continuity with a real or imagined past, and usually associated with widely accepted rituals or other forms of… ‚Ķ   Dictionary of sociology

  • Tradition ‚ÄĒ (v. lat. Traditio, √úbergabe) 1) Handlung, wodurch der Besitz einer k√∂rperlichen Sache in der Absicht auf einen Andern √ľbertragen wird, demselben ein dingliches Recht daran zu geben, s. √úbergabe; 2) √úberlieferung; bes. 3) die der geschriebenen… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon


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